Dr. Stefan Schumacher ist Leiter der TelefonSeelsorge in Hagen, Deutschland und ist Diözesanbeauftragter des Erzbistums Paderborn in der telefonischen Krisenbegleitung. International bekleidete er führende Positionen innerhalb von IFOTES. Seit 1996 ist er als Trainer, Coach und Supervisor tätig und spezialisiert auf Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.
Seine wissenschaftliche Forschung befasste sich mit der individuellen Sinnsuche im Leben, verbunden mit Projekten zum Einfluss von Sprache auf Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat Dr. Schumacher diverse Publikationen zu emotionaler Unterstützung und Kommunikationsfähigkeiten veröffentlicht.
Der Begründer der Logotherapie - Viktor Frankel (1905-1997) – hielt die persönliche Sinnfindung für das Essential der menschlichen Lebenszufriedenheit. Der Begründer der Salutogenese - Aron Antonovsky (1923-1994) – nannte diesen Zustand der Sinnerfahrung „Kohärenzgefühl“. Die Frage schließt sich an, wie der menschliche „Sense of Coherence“ ausgeprägt wird und welchen Einfluss ich darauf habe. Welche Rolle spielen andere Menschen in Bezug auf meine Sinnerfahrung und welchen Einfluss könnte künstliche Intelligenz nehmen bzw. welche Grenzen hat AI in Bezug auf Sinnerfahrung?
In diesem Vortrag lernen Sie ein Modell kennen, das die Konstruktion unserer subjektiven Wirklichkeitserfahrung beschreibt und welchen Einfluss sie auf unsere Identität hat: Welche Bedeutung hat die Wahrnehmung von Raum und Zeit? Wie interpretieren wir unsere Erfahrungen und wie speichern wir sie ab? Welchen Zusammenhang haben Gefühle und Werte? Was gibt uns Menschen unsere Identität? Welche Rolle spielen Empathie und Resonanz bei der Sinnerfahrung? Diesen Fragen wird in dem Vortrag nachgegangen und Überlegungen vorgestellt, welche Bedeutung die Konstruktion von Wirklichkeit bei der Sinnfindung zukommt und welche Rolle sie in der Gesprächsführung bei der TS-Begleitung spielen.
Was uns Menschen ausmacht und gesund hält sind unsere Bindungsfähigkeit und unsere Autonomiefähigkeit. Dieser scheinbare Widerspruch ist die große Herausforderung an uns Menschen von Geburt an. Stabile Bindungserfahrungen machen uns kommunikations- und interaktionsfähig; das Streben nach Eigenständigkeit und Entwicklung lässt uns über uns hinauswachsen. Wenn einer dieser Pole in seiner Entwicklung eingeschränkt wird, hat das Konsequenzen für unsere Fähigkeit im Umgang mit Krisen und allen Arten von Lebenskomplikationen.
Dieser Vortrag führt in das Verständnis der Bindungstheorie ein (John Bowlby und Mary Anisworth) und erörtert die Auswirkungen für die Lebensgestaltung aus psychologischer und neurobiologischer Perspektive – unter anderem, welche typischen Störungen des Bindungs- und Autonomieverhaltens sich im Erwachsenenalter zeigen können. In einem zweiten Schritt werden die Konsequenzen für die TS-Begleitung abgeleitet und was aus der Sicht der Bindungstheorie wichtig für die Krisenbegleitung ist. Dabei spielen vor allem die psychologischen Grundbedürfnisse (Klaus Grawe) eine zentrale Rolle. Auf diesem Hintergrund wird auch auf die Chancen und Grenzen der Nutzung von AI in der Krisenbegleitung Bezug genommen.