Roberto De Vogli
Roberto De Vogli ist außerordentlicher Professor für Globale Gesundheit und Psychologie der Macht an der Universität Padua und Gastprofessor an der School of Advanced Studies der Universität London. 

Er hat zahlreiche Artikel in peer-reviewed Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter Nature, The Lancet und British Medical Journal, sowie zwei Bücher. Im Jahr 2025 erscheinen zwei neue Bücher von ihm: “Selective Empathy: The West Through the Gaze of Gaza” (Brill, Critical Social Studies & Haymarket, Books for Changing the World) und “Wellbeing and UN Sustainable Development Goals” (Edward Elgar). 

Roberto De Vogli

Vortragender

Jenseits der Grenzen der Empathie: Die gemeinsame Menschlichkeit umarmen

Moralische und emotionale Doppelstandards behindern die Zusammenarbeit und verursachen humanitäre Krisen. Auf der Grundlage des Buches „Selektive Empathie“ erläutert diese Präsentation, wie die ungleiche Ausdrucksweise von Solidarität gegenüber bestimmten Kriegsopfern die Universalität der Werte infrage stellt, die die internationale Gemeinschaft zu vertreten vorgibt. Der Völkermord in Gaza ist dabei insbesondere zu einem Lackmustest und einem moralischen blinden Fleck für den Westen geworden. Er hat eine internationale Gemeinschaft offengelegt, die Unterstützung und Sanktionen auf der Grundlage geopolitischer Interessen und kultureller Vorurteile gewährt und so eine Hierarchie des Leidens schafft, in der einige Opfer als mitfühlenswerter gelten als andere. Diese Krise selektiver Empathie, bei der Mitgefühl einigen Leben entgegengebracht und anderen verwehrt wird, untergräbt die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft als Hüterin universeller Werte.

In einer Zeit, in der internationale Zusammenarbeit, Gleichheit und Solidarität nicht nur wesentliche, sondern existenzielle Werte sind, ist die moralische und emotionale Kluft zwischen dem Westen und dem Rest besonders besorgniserregend. Die Menschheit war noch nie so nah an der Katastrophe. Die „Doomsday Clock“ des Bulletin of Atomic Scientists steht nun bei nur noch 85 Sekunden vor Mitternacht. Ursprünglich 1947 auf sieben Minuten vor Mitternacht eingestellt, spiegelt sie heute eine Welt wider, die am Rande des Abgrunds steht, vor allem aufgrund des Risikos eines Atomkriegs.

Ausgehend von Erkenntnissen der Psychologie, der Evolutionsbiologie und der Moralphilosophie untersucht diese Präsentation die menschliche Natur. Sind wir unwiderruflich an stammesbezogene Instinkte gebunden, oder können wir eine Empathie entwickeln, die Grenzen überwindet? Ist eine Transformation von Bewusstsein und Identität auf der Grundlage universeller Mitmenschlichkeit und Solidarität möglich? Ist es realistisch, sich eine Welt ohne Fremde und Feinde vorzustellen, in der sich jeder mit der gesamten Menschheit identifizieren kann?

„Selektive Empathie“ stellt vorherrschende Narrative infrage und ruft zu einer neuen Solidarität auf, die auf universeller Empathie, sozialer Gerechtigkeit und emotionaler Dekolonisierung basiert. Durch die Hervorhebung von Akten der Solidarität, des Widerstands und globalen Mitgefühls lädt das Buch dazu ein, die Beziehungen zwischen Nationen und Individuen neu zu denken und eine kosmopolitische Ethik zu fördern, die den gleichen Wert jedes menschlichen Lebens bekräftigt. In einer Zeit, in der „die Winde des Krieges“ nationale und internationale Politiken beeinflussen, kann eine Identität, die Flaggen und stammesbezogene Zugehörigkeiten übersteigt, moralische Inspiration, einen Funken Vorstellungskraft „jenseits der Grenzen“ und die Möglichkeit eines kollektiven psycho-politischen Wandels hin zu tieferem, breiterem Humanitarismus bieten.