Wir alle brauchen Trost, weil wir als Menschen immer auch leidende Wesen sind. Vor allem dann, wenn das Leiden tief und anhaltend ist, sind wir auf den Trost anderer Menschen angewiesen, weil unser Dasein getroffen ist von etwas, das nichts mehr in Ordnung zu bringen ist und nicht geheilt werden kann. Ein solcher Trost geschieht vor allem durch die tiefe Verbundenheit mit einem anderen Menschen. Dabei wird der andere in seinen tiefsten Möglichkeiten als Mensch angesprochen: als mitfühlendes Wesen, das empathisch und achtsam das Leiden des anderen in sich aufnimmt, es fühlt, es aushält und es so mit ihm gemeinsam da sein lässt und austrägt. Das tröstet, beruhigt und lindert den Schmerz.
Ich möchte in meinem Vortrag auch eingehen auf Möglichkeiten des Selbsttrostes durch Achtsamkeit, Selbstmitgefühl, Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge.
Wenn wir Menschen begegnen, die tief und anhaltend leiden, wenn es buchstäblich um Leben und Tod geht, dann fehlen uns oft die Worte. Wer einen geliebten Menschen verloren hat, wer an einer unheilbaren Erkrankung leidet oder wer an seinem Leben verzweifelt, dem können wir nicht sagen: „Das wird schon wieder.“ Aber wir können diesem Menschen auf eine besondere Weise begegnen: aufrichtig, sein Leiden anerkennend, mitfühlend und mit achtsamer Präsenz. Auf diese Weise öffnen wir einen Raum für den anderen Menschen und ermöglichen ihm, wirklich da zu sein. In diesem Workshop möchte ich anhand einiger Übungen erlebbar und spürbar machen, wie eine solche Präsenz möglich werden kann und wie sie eine heilsame Wirkung entfalten kann, die vom anderen Menschen als wohltuend und als tröstlich erfahren wird.
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How we can open up a healing space for people who are suffering
When we encounter people who are suffering deeply and persistently, when it is literally a matter of life and death, we often find ourselves at a loss for words. We cannot say to someone who has lost a loved one, who is suffering from an incurable illness, or who is despairing of life: „It will be alright.“ However, we can approach these people in a special way: sincerely, acknowledging their suffering, with compassion and mindful presence. In this way, we open up a space for the other person and allow them to truly be there. In this workshop, I will lead a few exercises to demonstrate, how such a presence can be achieved, and how it can have a healing effect that is experienced by the other person as beneficial and comforting.
Martin Franken: Promotion in Philosophie, Pädagogik und Soziologie; Ausbildung zum Focusing-Therapeuten in Würzburg (DAF), Fortbildungen in zahlreichen Therapie-Verfahren, vor allem in Trauma-Therapie, u. a. bei Peter Levine und Luise Reddemann.
Veröffentlichungen: Monographie über Kant und Fichte „Transzendentale Theorie der Einheit und systematische Universalontologie“, Amsterdam und Antlanta 1993, sowie zahlreiche Artikel über Focusing-Therapie und Achtsamkeitspraxis.
Tätigkeiten: Praxis für Lebensberatung und Focusing-Therapie in Dorweiler, Sterbebegleiter, Vorträge, Seminare und Moderation.